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Im Sommer 2009 wurde die Gruppe im Paradies nacheinander um 2 Pferde erweitert. Dabei durfte ich die Erfahrung machen, wie riesig die Bandbreite zwischen "völlig easy" und "fast unmöglich" zu diesem Thema sein kann. Ein weiteres Pferd kam im Mai 2010 zur Gruppe hinzu. Integration - (Variante 1 "alles easy"....)
Zunächst bekam die "Männer WG" eine Stute - wie erwartet wurde diese vollumfänglich vom Herdenchef occupiert, was eine völlig ruhige, unaufwändige und unspektakuläre Integration möglich machte. Nach kurzem Betrachten über den Zaun hinweg brachte ich das Mädchen auf die (grosse) Koppel, von wo aus die Herde sie schon interessiert betrachtete. Die Stute lief einmal relativ entspannt den Zaun ab, ließ sich dabei von ihrem zukünftigen Schatten bereits begleiten, um unmittelbar danach zum grasen überzugehen. Das wars und das blieb so, bisher für immer...
![]() nach 15 Minuten: ![]() Freunde?? Freunde!! Finde das neue Pferd.... ;-)
Integration mit Hindernissen (Variante 2) Ende August sollte noch ein weiteres Pferd zu uns kommen, ein 12 jähriger Warmblutwallach, nicht mehr reitbar wegen einer umfangreichen Herzproblematik, die ihn in jedwelcher Hinsicht sehr einschränkt(e) und auf die natürlich auch bei einem eventuell nicht ganz stressfreien Stallwechsel größtmögliche Rücksicht genommen werden musste. Für den aus dem Reitstall kommenden Wallach bedeutete der Versuch der Umstellung in den Offenstall seine (im Wortsinn!) "letzte Chance" - ich habe mich also sehenden Auges auf diese Herausforderung eingelassen und wurde erstmals im Rahmen des "Projektes Offenstall" an meine Grenzen und wohl auch an die Grenzen des "Machbaren" geführt. Allerdings habe ich auch wieder mal einiges lernen können, was einem nur die Pferde selbst beibringen, habe wieder Antworten auf Fragen bekommen, welche ich im Vorfeld nicht mal hätte stellen können und weiss nun auch, dass "geht nicht, gibts nicht" vielleicht nicht zu 100% gültig ist (nur zu 99% also....) Ich hatte mir allerdings auch ein zeitliches Limit gesetzt, dieses hätte ich im Falle meines/unseres Scheiterns auch eingehalten! Ich hatte die Integration des herzkranken Wallaches wohlweisslich in den Zeitraum meines Jahresurlaubs gelegt, daran habe ich im Nachhinein gesehen auch gut getan, allerdings hatte ich nicht damit gerechnet, dass ich meinen kompletten Urlaub damit verbringen würde .... Aber von Anfang an: Die Schwierigkeiten bestanden vorrangig darin, dass unsere Pferde den Neuzugang bereits auf der Koppel (beim ersten Zusammentreffen mit viel Platz) komplett und mit (mir bis dato) unbekannter Heftigkeit abgelehnt haben. Der Wallach war mit den Drohgebärden, die ihn zunächst lediglich auf Abstand hätten halten sollen, offensichtlich nicht vertraut und hat daher in jede Richtung "falsch" reagiert, was die Agressionen bei den Jungs extrem geschürt hat. Entweder er ist panisch vorweg galoppiert oder er hat die Herde ziehen lassen und sich überhaupt nicht mehr dafür interessiert, was seiner Akzeptanz natürlich auch nicht zuträglich war. Leider zeigte er zunächst praktisch keine der üblichen Verhaltensweisen, d.h. er war für mich nicht berechenbar. Aufzeichnungen aus der ersten Woche: "Er kann im (offenen) Unterstand stehen und Stress äussern, dabei scheinbar den Eindruck erwecken, er könnte nicht raus, weil eingesperrt (??). Er geht, wenn die herde auf die saftige, neu eröffnete Graskoppel wandert in die andere Richtung auf die kompett leere Winterkoppel? Er verbringt Stunden alleine im Stall um andereseits fast einer Panikattake zu verfallen, wenn er (im falschen Moment) merkt, dass die anderen weg sind. Er wird von den anderen auf der Koppel (egal wie gross diese ist) extrem auf Abstand gehalten, teilweise bösartig zurück in den Paddock gejagt, während er 5 Minuten später Nase an Nase Heu fressen darf oder auch mitgrasen kann... Das Gras als Nahrungsmittel hat er noch kein bisschen begriffen, er grast auch nicht richtig, er ist ständig in Bewegung, ohne jedoch dabei angemessen auf der Hut zu sein?" Ein paar Bilder dazu: Zunächst bekam der Neue ein Stallabteil mit Stangen abgetrennt, seinen eigenen kleinen Paddock davor und (über den Wall) zugang zur Winterkoppel (für sich allein)
Nach 5 Tagen bemerkte ich, dass er nachts (wenn die anderen an ihm vorbei gegangen waren) am Ende der Winterkoppel blieb, mit Sichtkontakt und (sachtem) Interesse
Ich habe dann das Gescheckte mit seinem Mädchen auf eine Extraweide ausquartiert und dem Neuen einige Nächte lang jeweils einen Partner dazu gestellt, die andern wurden auf die Strassenkoppel ausgesperrt. (tagsüber brauchten sie in dieser Hitzewoche zwingend den Unterstand ohne Rangeleien, da war die "Extra Abteillösung" das einzig machbare....) Morgens stand er zwar immer auf dem Wall und der "Partner" im Stall, aber es waren zumindest weder Pferd noch Zaun verletzt... Die Tagsüberlösung (ganz hinten auf dem Bild ist ein Stück des Paddocks und des Unterstandes abgetrennt, sieht man hier schlecht):
Aufzeichnung aus der dritten Woche:
"Am Samstag dann endlich den grossen Hang (2,5 ha, sattes Gras) geöffnet, die Winterkoppel geöffnet, die Paddockunterteilung geöffnet. Das alles, solang sie am Heu standen. Natürlich haben unsre Jungs das schnell bemerkt und sind los. Ihn musste ich (mal wieder) an den Ausgang führen, wo er mit stierem Blick den anderen nachstarrte.... Als er schliesslich auch auf die Hangkoppel ging , wurde er einige Male von den Ponys zurück in den Paddock gejagt, aber schliesslich durfte er dann doch (in angemessenem Abstand) mit grasen. Leider verliert er nach spätestens 30 Minuten die Lust auf Koppel und parkt sich (Wetter egal) in den Stall. Bei jedem neuen Besuch seinerseits auf der Koppel ist er dann wieder neu "das Opfer". Ich denke, wenn er mal dabei bleiben würde und mal MITgehen würde, wenn alle gehen, wäre es bereits jetzt viel einfacher. Aber er macht nichts, was ihm selber weiterhelfen würde. IM Paddock/Stall herrscht inzwischen weitgehende Ignoranz ihm gegenüber, ab und an packen die Ponys noch ihre angelegten Ohren aus, aber ich denke, sie wollen immer wieder ausprobieren, ob die "neue Macht" noch immer funktioniert. " Nun sah das dann im Paddock/Unterstand schon phasenweise recht vielversprechend aus:
Und auch als sie auf die Winterkoppel wanderten, wurde er (im positiven Sinn) ignoriert...
In den weiteren Wochen herrschte ein zunehmend sicherer werdender "Nichtangriffspakt", der sich insbesondere nach dem Wegzug des 6ten Pferdes inzwischen absolut stabilisiert hat. Desperado hat nun seinen Platz in der Herde, im Stall und in meinem Herzen gefunden und behält ihn hoffentlich noch lange bei guter Gesundheit bei! Denn das ist das beste an der ganzen Sache: gesundheitlich ist er wirklich auf einem fast unglaublichen Weg der Besserung! (September 2009) April 2010: Leider darf Desperado nicht länger bei uns wohnen, da sein (überraschend) guter Allgemeinzustand ihn als tauglich für "zurück in den Reitstall" erscheinen lässt. Ich wünsche ihm von Herzen alles Gute!
Integration die dritte (überraschenderweise - alles easy) Mai 2010: Wo eine Tür zu geht, geht auch eine auf.... Wo ein Pferd geht, taucht ein neues auf, könnte man auch sagen. So kam "Fidaro" zu uns - genannt Floh oder Flöhchen. Die Eingewöhnung startete an einem Mittwoch abend, er bezog sein vorbereitetes Appartment und fühlte sich eigentlich auf Anhieb wohl. Am nächsten Tag durfte er bereits sein Privatkoppel mit eigenem Zugang beziehen, die restliche Herde konnte an zwei Seiten an den Zaun, er hatte also reichlich Rückzugsmöglichkeiten, die er jedoch kaum nutzte, viel zu gross war sein Interesse an seinen potentiellen neuen Freunden... Nach einem gemütlichen Ausritt zu zweit durfte zunächst Destiny mit ins Appartment einziehen (3 Tage nach Flöhchens Einzug bei uns ), bereits am nächsten Tag ließ ich dann alle zusammen, nicht ohne vorher ein sehr attraktives neues Weidestück freizugeben, das seine "Bremswirkung" voll erfüllte ;-) Bilder der "Zusammenführung": Hier hat Floh noch seinen privaten Ein- und Ausgang: Checkit schaut mal genauer hin: Wegschicken klappt...;-) Auch die Ponys dürfen mal:
Blasius kümmert sich mal als erster: "einkreisen" auf der Weide - wie nah darf ich denn? Passt! Fidaro ist ein Musterbeispiel für korrektes Herdenverhalten! Er besitzt eine unglaublich hohe soziale Intelligenz, spricht und versteht die Körpersprache, die eine Verständigung in der Pferdegruppe erst möglich macht. Hält sich an Regeln und kann so geradezu perfekt seine Interessen durchsetzen. Kurz gesagt: ein Traum für die Zweibeiner, die sich um die Vierbeiner kümmern sollen! Und inzwischen (nach einer knappen Woche) auch schon der Traum des Stutentieres, die ist schon fast zu ihm übergelaufen....;-) |
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